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Doppelt gut – Die Duale Ausbildung

Die Berufsausbildung wird als dual (zweiseitig) bezeichnet, weil sie an zwei Lernorten stattfindet: im Betrieb und im Berufskolleg. Im Betrieb überwiegen die praktischen und im Berufskolleg die theoretischen Inhalte. Nicht alle Handwerksbetriebe verfügen jedoch über sämtliche Techniken und Technologien, die zu dem praktischen Aufgabenspektrum der Berufsausbildung gehören. Damit dennoch sämtliche berufsnotwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt werden können, unterstützen überbetriebliche Ausbildungsstätten die praktische Seite der Ausbildung.

Grundlage für die Inhalte der betrieblichen Ausbildung ist die Ausbildungsordnung. Eine solche Ausbildungsordnung gibt es für alle 349 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe. In den Ausbildungsordnungen, die bundesweit gelten, ist jeweils folgendes geregelt: offizielle Bezeichnung des Ausbildungsberufes, Ausbildungsdauer, Zielsetzung der Berufsausbildung, Beschreibung des Berufsbildes, Regelungen zur Zwischen- und Gesellen- bzw. Abschlussprüfung, Ausbildungsrahmenplan mit den zu erlernenden Fertigkeiten und Kenntnissen.

Für den berufsbezogenen Unterricht in den Berufskollegs in jedem der 16 Bundesländern stellt in Abstimmung mit der Ausbildungsordnung der Rahmenlehrplan die Grundlage dar. Dieser  enthält Angaben zu dem Bildungsauftrag der Berufsschule, den didaktischen Grundsätzen des Unterrichts, den Zielsetzungen des Unterrichts und den zu vermittelnden Inhalten.

Wichtige rechtliche Grundlagen für die Duale Berufsausbildung sind das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Handwerksordnung (HwO). Diese schreiben allen Ausbildungsberufen verbindliche Ausbildungsordnungen vor, die von den Sozialpartnern entwickelt werden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) koordiniert die Erstellung der Ausbildungsordnungen, die letztlich vom Bundesgesetzgeber verabschiedet und erlassen werden. Selbstverständlich sind bei diesem Verfahren auf Bundesebene Experten aus der Praxis beteiligt.

Das Berufskolleg

Die Ausbildung an den Berufsschulen richtet sich nach landeseinheitlichen Lehrplänen, die vom Landesschulministerium erlassen werden. Diese Lehrpläne ordnen die Inhalte des Rahmenlehrplans in den Fächern bzw. Kursen in der Stundentafel und achten darauf, dass das im Rahmenlehrplan berücksichtigte Ergebnis der fachlichen und zeitlichen Abstimmung mit der Ausbildungsordnung erhalten bleibt. Gemäß der Stundentafeln existieren drei Lernbereiche in den Berufsschulen Nordrhein-Westfalens. Der berufsbezogene (fachtheoretische) Lernbereich, der berufsübergreifende (allgemeinbildende) Lernbereich (Deutsch/Kommunikation, Religion, Sport/Gesundheitsförderung, Politik / Gesellschaftslehre) und ein Differenzierungsbereich (Stützunterricht/Zusatzqualifikation).

Der Unterricht erfolgt in Teilzeitform, d. h. wöchentlich an jeweils ein oder zwei achtstündigen Unterrichtstagen oder zusammenhängend, d. h. wochenweise im Block. Grundsätzlich gilt, dass bei der Organisation des Unterrichts die Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe berücksichtigt werden (§5 Abs. 6 der Anlage A der APO-BK) Im Rahmen des Dualen Ausbildungssystems stellen Berufskolleg und Ausbildungsbetrieb somit Partner dar, die gemeinsam dafür die Voraussetzungen schaffen und die Verantwortung tragen, dass die Ausbildung erfolgreich verläuft. Was jeder aus diesen Voraussetzungen macht und wie die Prüfungen abschließend verlaufen oder ob z. B. einer vorzeitigen Zulassung zur Gesellenprüfung zugestimmt wird, ist allein von den persönlichen Leistungen abhängig. Falls die Voraussetzungen in Betrieb oder Berufsschule einmal nicht stimmen, helfen auch die Ausbildungsberater der Handwerkskammern oder die Lehrlingswarte der Innungen. Ansprechpartner sind ebenfalls die Lehrerinnen und Lehrer an den Berufsschulen.

Schulpflicht

Auch für das Berufskolleg gilt gemäß den Schulgesetzen die Schulpflicht. Demnach sind alle Jugendlichen bis zum Abschluss der Berufsausbildung verpflichtet, die Berufsschule zu besuchen. Die Dauer der Ausbildung in der Berufsschule beträgt mindestens 480 Stunden jährlich. Wenn die Berufsausbildung nach Vollendung des einundzwanzigsten Lebensjahres begonnen wird, besteht keine Verpflichtung zum Besuch der Berufsschule. Allerdings ist auch in diesem Fall der Besuch der Berufsschule ratsam. Selbstverständlich hat der Ausbildungsbetrieb nach dem Gesetz die Pflicht, Lehrlinge zum Besuch des Berufsschulunterrichtes anzuhalten und für diese Zeit freizustellen sowie diese auf die Arbeitszeit anzurechnen.


Wie der Berufsschulunterricht bei minderjährigen Auszubildenden auf die betriebliche Ausbildungszeit anzurechnen ist, ist gesetzlich geregelt (§ 9 Abs. 2 JArbSchG):

Erster Berufsschultag

Ein Berufsschultag pro Woche mit mehr als 5 Unterrichtssunden à 45 Min. wird mit 8 Zeitstunden angerechnet - an diesem Tag darf der Jugendliche im Betrieb nicht mehr beschäftigt werden (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 JArbSchG).

Zweiter Berufsschultag

Ein Berufsschultag in der Woche wird mit der tatsächlichen Unterrichtszeit plus Pausen angerechnet. Sind in einer Woche zwei Berufsschultage mit jeweils mehr als 5 Unterrichtssunden, ist der Jugendliche verpflichtet, an einem der beiden Tage wieder in den Betrieb zurückzukehren - an welchem der beiden Tage, bestimmt der Ausbildungsbetrieb.

Blockunterricht

Blockunterricht von planmäßig mindestens 25 Unterrichtsstunden à 45 Min. ist mit 40 Zeitstunden anzurechnen, d.h. in dieser findet keine Beschäftigung im Betrieb statt.

Anrechnung auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit

Die Anrechnung erfolgt nur auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit für Minderjährige von 40 Stunden wöchentlich (§ 8 Abs. 1 JArbSchG) und nicht auf die kürzere tarifliche Arbeits- bzw. Ausbildungszeit.

Ausnahme: ausdrücklich tarifliche Anrechnungsregelung

Das gilt nur dann nicht, wenn im Tarifvertrag ausdrücklich geregelt ist, dass die Berufsschulzeit auf die tarifliche Ausbildungszeit anzurechnen ist (BAG 27.5.1992, EzB § 9 JArbSchG, Nr. 20). Solche Regelungen sind bislang noch sehr selten.

Für erwachsene Auszubildende fehlt eine gesetzliche Anrechnungsregelung seit der Änderung des JArbSchG im Jahre 1997. Das Bundesarbeitsgericht hat aber entschieden, wie die Anrechnung der Berufsschulzeit zu erfolgen hat (BAG 23.3.2001; EzB n. F. § 7 BBiG Nr. 35):

Anrechnung bei zeitlicher Überschneidung

Soweit sich der Berufsschulunterricht (inkl. Pausen und Wegezeiten zwischen Berufsschule und Betrieb) mit der betriebsüblichen Arbeitszeit überschneidet, wird er auf die Ausbildungszeit angerechnet. Die Ausbildungszeit wird also insoweit durch den Berufsschulunterricht ersetzt. Liegt der Berufsschulunterricht (inkl. Pause- und Wegezeiten) dagegen außerhalb der betriebsüblichen Arbeitszeit, wird er grundsätzlich angerechnet.

Dies kann dazu führen, dass die Ausbildungszeit insgesamt (Berufsschule + betriebliche Ausbildung) größer als die tarifliche Ausbildungszeit ist.

Berufsschulabschluss

Der Abschluss der Berufsschule ist dem Abschluss der Hauptschule nach der Klasse 10 Typ A gleichwertig. Wer die Berufsschule mit der Gesamtnote 3,0 oder besser abschließt, seine Gesellen- bzw. Abschlussprüfung besteht und die für die Fachoberschulreife notwendigen Englischkenntnisse nachweisen kann, erhält den Abschluss Fachoberschulreife. Der Abschluss Fachhochschulreife ist in der Berufsschule zu erlangen, wenn man neben den Bedingungen zur Fachoberschulreife zusätzlich in seinem Differenzierungsbereich Fächer besucht, die für den Erwerb der Fachhochschulreife erforderlich sind. Die in Nordrhein-Westfalen erworbene Fachhochschulreife ist in allen Bundesländern anerkannt. Auskünfte hierzu erteilen die Fachlehrerinnen und Fachlehrer des jeweiligen Bildungsganges. Sollte der Fachhochschulabschluss angestrebt werden, so ist die Zustimmung des Betriebes einzuholen, da insgesamt mehr Unterrichtsstunden besucht werden müssen.